Der Research: Umfang, Notwendigkeit und Datenschutz

© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
© Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Eigentlich können Vereine auch von den Spenden bis jeweils 100 Euro existieren. Nur eben bedeutend kleiner. Es kann nur noch ein Bruchteil der gemeinnützigen Projekte realisiert werden, denn die sind häufig von den eingenommenen Spenden abhängig.

Warum also nicht jeden Freund oder Förderer des Vereins nach einer großen, fünf- bis achtstelligen Unterstützung fragen?

Der Research – im Sinne einer kurzen Recherche – ist ein wichtiger Schritt im Großspendenfundraising.

Ein Beispiel soll die Notwendigkeit unterstreichen:

Auf der Vereins-Website sehen mögliche Unterstützer den Spendenaufruf, bei dem in einer Tabelle Beispielleistungen je Spendenhöhe aufgelistet werden (Shopping list) und nach folgenden Beträgen gefragt wird: 5 Euro, 10 Euro, 25 Euro und 50 Euro.

Herr Müller erhält 50.000 Euro Gehalt im Jahr und kann damit gut leben. Seine Finanzen machen eine 50 Euro-Spende möglich. Wesentlich mehr ist seiner Betrachtung nach nicht drin.

Frau Schmidt erhält 500.000 Euro Gehalt und kann damit auch gut leben. Sie gibt ebenfalls 50 Euro. Eine wesentlich höhere Spende könnte sie sich vorstellen.

Tropfen im Meer – oder wirklich etwas bewegt

Würde der Großspendenfundraiser Herrn Müller um eine Spende über 5.000 Euro bitten (und er weiß nicht einmal, ob das beschriebene Projekt Herrn Müller wirklich kümmert), würde man aufgrund seiner finanziellen Lage vielleicht etwas mehr als 50 Euro erhalten. Aber mit dieser Spendenfrage würde man Herrn Müller wahrscheinlich überfordern und seine sonst mögliche Spende über 50 Euro erscheint wie ein Tropfen im Meer.

Seine mögliche Spende erscheint in Relation zum benötigten Betrag als nahezu unbedeutend. Es liegt nahe, dass Herr Müller das nächste Mal einem Verein spendet, der nach 50 Euro fragt und damit zeigt, dass er mit 50 Euro etwas Wesentliches bewegen kann. Bei der überwältigenden Vielzahl der Vereine findet er sicher schnell und ohne Mühe eine andere Organisation.

In einem deutschsprachigen Großspendenfundraisingbuch wird die überzogene Spendenfrage durchaus positiv bewertet, ja sogar als wertschätzend dargestellt. Davon rate ich aus psychologischer Sicht dringend ab.

Frau Schmidt teilte selbstverständlich zu keiner Zeit mit, dass sie mehr spenden könnte und würde. Bei ihr wäre die Spendenfrage natürlich richtig gewesen.

Auch wenn jeder Spender für seine langjährige und vielleicht auch in Summe der Spenden einen persönlichen Ansprechpartner verdienen könnte oder sollte, wäre es doch höchst unwirtschaftlich. Wir streben doch alle eine höchst effektive Organisation an, die administrative Kosten klein hält und maximale Mittel für die Vereinsziele investieren kann.

Großspendenfundraising kostet dem Verein Geld. Doch es beschafft deutlich mehr finanzielle Mittel – wenn die Ressourcen eben richtig eingesetzt werden.

Josef Lauber schrieb in Gemeinnützigkeit + Management, dass die Betreuungskosten bei Spendern bis 500 Euro zwischen 0,30 und 0,60 Euro liegen, bei Großspenden ab 5.000 Euro liegen sie nur zwischen 0,05 und 0,15 Euro.

Daher ist es für den Großspendenfundraiser notwendig, ein Gefühl zu erhalten, ob es angemessen ist, einen Spender nach einer für ihn passend hohen Unterstützung zu fragen und die dafür nötige Vorarbeit zu leisten.

In Deutschland gibt es wenige öffentlich verfügbare Anhaltspunkte. Meine hierfür verwendeten Online-Tools verrate ich in einem separaten Blogbeitrag. Normalerweise dauert ein Recherche-Vorgang rund zehn Minuten.

Nehmen wir beispielsweise meine Informationen, die ich bei einer Spende per Lastschrift an den Verein sende. Also Name, Adresse, E-Mail-Adresse, Bankverbindung.

Sascha Klein
Am alten Sportplatz 2
71272 Renningen
E-Mailadresse bei einem kostenfreien Anbieter.
IBAN: DE12 12030000 1234567890

LinkedIn zeigt mir einen Sascha Klein, der als Großspendenfundraiser bei einer großen Organisation im Nahe gelegenen Stuttgart tätig ist. Das könnte er sein.

Die Wohnlage in Google Maps zeigt mir keine besondere Gegend.

Die Bankverbindung enthält die Bankleitzahl, anhand der die Bank identifizierbar ist. Ich bin also bei der DKB (Null-Euro-Konto, also ein Sparfuchs! ;-)), und nicht bei einer besonderen Privatbank.

Es liegt also nun beim Großspendenfundraiser, die gefundenen Puzzle-Stücke zusammenzusetzen und ein Gefühl daraus abzuleiten.

Was würde nun passieren, wenn der Großspendenfundraiser trotz aller Hinweise nun beginnt mich persönlich zu betreuen, um mir später eine hohe Spendenfrage zu stellen? Er würde mir die Organisation und den Aufbau, die Ziele umfangreich erklären, er würde verstehen wollen, welche Projekte ich gerne in Zukunft unterstützen möchte. Und er würde mir irgendwann eine Spendenfrage stellen, wo mir die Luft wegbleibt. Und dann vielleicht die Lust. Der ganze (kostenintensive) Aufwand hätte mich als Spender womöglich verschreckt.

Frau Schmidt hätte sich womöglich gefreut, und ja, sie hätte vielleicht auch 5.000 Euro für ein Projekt gegeben, das sie gerne unterstützen würde. Frau Schmidt wusste aber nicht, dass wir für ein ihr wichtiges Projekt eine Spende in dieser Höhe benötigen – für einen Zweck, den sie unterstützenswert findet.

Spenden macht glücklich, und Großspendenfundraiser verbinden Menschen mit den Spendenprojekten, die sie glücklich machen.

Übrigens, die Erkenntnisse der Internet-Recherche werden nicht gespeichert. Sie sollen ein Gefühl vermitteln, ob eine persönliche Betreuung und höhere Spendenfragen angemessen sind. Ein Großspendenfundraiser sollte bis zu 150 Unterstützer betreuen. Da kann man sich noch gut die Freunde und Förderer merken.

Der Research ist hier übrigens noch nicht zu Ende: Insbesondere beim ersten Gespräch (Discovery-Call) oder bei einem Treffen kann das Bild konkretisiert werden und eine anschließende persönliche Betreuung (Cultivation) notwendig machen.

Es liegt also im Interesse des Vereins, ob er einen bedeutenden Mittelzufluss auch in Zukunft für seine gemeinnützigen Ziele sicherstellt – mit einer Vorgehensweise, die langfristig echte Freundschaften und Unterstützung möglich macht.

Meine Einschätzung begründet sich auf meiner persönlichen Erfahrung, guter Fundraisingliteratur, die sich in der Realität bewährt hat und der Erfahrung meiner Kollegen in Deutschland und den USA.

Wichtig ist mir, dass Großspendenfundraiser ein echtes menschliches Interesse an den Unterstützern haben und wir ihnen jederzeit mit Respekt und Wertschätzung begegnen. Sie unterstützen gemeinnützige Ziele, und das berührt mich sehr.

2 Antworten auf &‌#8222;Der Research: Umfang, Notwendigkeit und Datenschutz&‌#8220;

Kommentare sind geschlossen.